Predigersohn - Friedrich Wilhelm Jungius

Erster deutscher Ballonfahrer stammt aus dem Mansfelder Land

Nachdem die berühmten französischen Brüder Jacques Etienne und Joseph Michael Montgolfier die ersten erfolgreichen Versuche mit einem Heißluftballon unternommen hatten, fanden sie überall in Europa mutige Jünger, die sich ebenfalls hinauf in die Lüfte erheben wollten. Doch nicht alle Versuche glückten. Viele Nachahmer scheiterten.

Der erst erfolgreiche Luftschiffer Deutschlands kam aus der Saalestadt Alsleben, die viele Jahre zum Mansfelder Seekreis gehörte. Die Rede ist von Friedrich Wilhelm Jungius, der vor 200 Jahren seine Pioniertat vollbrachte. Er ist nicht verwandt mit dem gleichnamigen großen Mathematiker, Naturforscher und Philosophen.

Der Ballon-Jungius wurde am 29. Juni 1771 als Sohn eines evangelischen Predigers geboren, der ihm eine gute Schulbildung ermöglichte. Dabei reizten den Jungen bereits früh die aufstrebenden Naturwissenschaften. Er studierte in Halle Mathematik, Physik und Chemie. Die Kunde vom erfolgreichen französischen Ballonversuch und alle Berichte über diverse Nachahmer zogen ihn sprichwörtlich in ihren Bann. Den Predigersohn zog es nicht in die theologische Laufbahn, sondern in die Lüfte. Das war sein Rezept, dem Himmel näher zu kommen. Nachdem er die technischen Parameter erforscht und Verbesserungen für sich ersonnen hatte, musste er risikofreudige Geldgeber finden. Das dauerte. Dazu kamen die Aufregungen der französischen Revolution, die das alte Europa in Atem hielten.

Predigersohn - Friedrich Wilhelm JungiusAber das konservative Berlin besaß auch fortschrittsfreundliche Geister, die den engagierten Alslebener unterstützten. Am 16. September 1805 war dann der Tag der Wahrheit. Ein Luftfahrzeug nach dem Prinzip "leichter als Luft", das aus Korb, Ballastsäcken sowie Ballon bestand und durch den statischen Auftrieb einer Gasfüllung in die Luft getragen werden sollte, stand im Garten der Tierarzneischule in Berlin zum Start bereit.

Trotz widriger Winde wagte Jungius das Experiment. Gegen Mittag stieg er auf, erreichte Höhe und fuhr ohne Schwierigkeiten. Doch bei etwa 6500 Metern Höhe litt der Ballon-Pionier unter Sauerstoffmangel. Der Aufstieg gelang über Gebühr gut. Die Rückkehr wurde schwieriger. Jungius und sein Bodenpersonal begannen zu zittern. dann riss langsam die Ballonhülle, ein Unglück, dass sich als Glück entpuppte. Das Luftfahrzeug verlor schnell an Höhe und konnte letztlich ohne größere Probleme landen. Der Versuch des Predigersohnes gedieh zur deutschen Jungfernfahrt in die sprichwörtlichen Lüfte.

Weitere Aufstiege folgten. Jungius avancierte zum preußischen Aushängeschild der Ballonfahrt. Das trug ihm den Professorentitel ein. Er fungierte als Lehrer und perfektionierte sein Luftfahrzeug immer weiter. Jetzt bedachte der Tüftler nicht mehr nur die Erfordernisse des Aufstiegs, sondern auch die der Luftfahrt und die einer gesicherten Rückkehr. Damit befand sich der Mansfelder in international prominenter Gesellschaft.

Noch zweimal startete Jungius in die Lüfte, im Frühjahr 1806 und 1810. Am 18. Dezember 1819 starb er in Berlin an einem Lungenleiden. Aber während andere Ballonfahrer der ersten Stunde in den Geschichtsbüchern Eingang fanden, sucht man den Namen des ersten Deutschen in den Lüften selbst in renommierten Lexika vergeblich.

Eine ausführliche Beschreibung über das Leben von Friedrich Wilhelm Jungius finden Sie im Buch "Himmelfahrten - Die Anfänge der Aeronautik" von Michael Stoffregen-Büller.
 

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Erstellt: 11.09.2015
Geändert: 11.09.2015
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