Im Sande verweht

von Bemhard Gremler

Alsleben, das Städtchen an der Saale, stand um die Jahrhundertwende im Blickfeld des Sportes der Schwerathletik. Der aus Halle stammende Bier­brauer und Gastwirt Theodor Siebert betrieb in seinem Anwesen in der Fischerstraße 2 (das spätere Gasthaus zum "Schwarzen Ross") die

"Erste Trainerschule für Athletik und Körperkultur in Deutschland".

Er hatte in seinen Schriften "Der Kraftsport" und "Katechismus der Athletik" bahnbrechende Wege zur Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit auf­gezeigt, die bei Ringern und Gewichthebern in 'aller Welt auf begeisterte Zustimmung stießen. Weltmeister und Olympiasieger von den USA bis Japan gaben sich in Sieberts kleiner "Athletenschule" die Türklinke in die Hand.

Viele Berühmtheitenjener Zeit holten den "Athletenvater aus Alsleben"", wie Siebert bald im Volke hieß, vor schweren Wettkämpfen als Vorbereitungs­trainer in ihr Camp.

Daß es beim Athletenvater Siebert nicht nur schwergewichtig-ernst zuging, beweist folgende Episode. Man hatte gewettet, ob es dem Meister gelänge, einen 4 Zentner schweren Sandsack durch die Gaststube und wieder zurück zu tragen. Siebert schulterte die Last und stapfte los. Beifall brauste auf. Doch nach wenigen Schritten kam das Halt. Mit einem peitschenden "Rraaatschschsch" riß die Naht des Ledersackes. Ein Regenguß aus Sand rieselte in Windeseile über den Körper des Athletenvaters. Der stand da wie ein Bild des Jammers: fas­sungslos, knietief im Sand, den schlaffen Ledersack auf den Schultern. Dafür jedoch erscholl ein Gelächter in dem Raum, daß die Wände erbebten. Meister Siebert besaß Humor genug, um nach einigen Kopfschütteln in die Lachsalven einzus timmen.