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Buttersäure-Angriff in Alsleben

14.03.2015 16:50:00 | Mitteldeutsche Zeitung | DETLEF VALTINK
Stadtgemeinschaftshaus

Gestank sprengt Frauentagsfeier


Unbekannte haben am Wochenende auf das Alslebener Stadtgemeinschaftshaus einen Buttersäure-Anschlag verübt. Im Ort kursieren nun Spekulationen über das Motiv der Täter, die von purem Vandalismus bis hin zum Neid konkurrierender Gastwirte reichen.
ALSLEBEN: Auf das Stadtgemeinschaftshaus in Alsleben ist am Wochenende ein Anschlag mit Buttersäure verübt worden. Wer hinter dieser Attacke steht und welche Ziele damit verfolgt wurden, ist derzeit nicht bekannt. Die Polizei steckt erst einmal tief in den Ermittlungen wegen Sachbeschädigung, nachdem Alslebens Bürgermeister Reinhard Schinke eine Anzeige erstattet hat.

Keine Spuren gefunden

Die Beamten haben zunächst den Tatort genau untersucht, aber keine Spuren gefunden. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als den Tatort zu fotografieren und sich auf die Suche nach möglichen Zeugen zu begeben. „Wir befinden uns aber erst im Anfangsstadium der Ermittlungen“, erklärt eine Polizeisprecherin. Da in den letzten Monaten Vorfälle solcher Art den Beamten nicht angezeigt wurden, bleibt in Alsleben viel Platz für Spekulationen. Die reichen von purem Vandalismus über Nachbarn, die sich möglicherweise in ihrer Ruhe gestört fühlen, bis hin zu Kontrahenten, denen es ein Dorn im Auge gewesen sein könnte, dass eine Gastronomin eine sehr gut besuchte Frauentagsfeier im Stadtgemeinschaftshaus ausrichtete. Sollten die Gründe für den Anschlag tatsächlich auf der Neid-Theorie beruhen, hat der unbekannte Täter sein Ziel erreicht.
Denn von den rund 80 Gästen fühlten sich etliche von dem Gestank so sehr belästigt, dass sie sich frühzeitig von der Feier verabschiedeten. „Vor allem diejenigen, die zum Rauchen vor die Tür oder auf Toilette gehen mussten, waren mit dem penetranten Gestank konfrontiert“, weiß die Gastronomin. Denn die Buttersäure ist gezielt verspritzt worden. So direkt im Türklinkenbereich am Haupteingang und an einem Kellerfenster in der Schulgasse. Dieses mit Eisengittern geschützte Fenster war geöffnet, da die Räume feucht sind und ständig gelüftet werden müssen, damit die Schimmelbildung unterbunden wird.
Dabei war die Organisatorin der Feier noch am Sonnabend davon ausgegangen, dass der üble Geruch eventuell auf das Ausbringen von Gülle auf den Feldern zurückzuführen ist. Erst, als die Schwaden bei jedem Öffnen der Saaltüren sich immer mehr in den Raum drückten, betrieb sie gemeinsam mit den Gästen Ursachenforschung. Und wurde fündig, worauf sie später den Bürgermeister informierte. Für eine friedliche und ausgelassene Fete war es da schon zu spät. „Wer macht so etwas?“, fragt sich Reinhard Schinke, der wütend darüber ist, dass sich Menschen keinerlei Gedanken über anderer Eigentum machen. Und hofft, dass der oder die Übeltäter ausfindig gemacht werden. Denn der Stadt ist erheblicher Schaden entstanden. So muss ein Spezialist klären, wie die Buttersäure entfernt werden kann. Offen ist, ob die Eingangstür noch gerettet werden kann und ob im Keller große Teile des Putzes entfernt und erneuert werden müssen.

Veranstaltung abgesagt

Der materielle Schaden, der der Versicherung gemeldet wurde, ist dabei nur die eine Seite der Medaille. Die andere: Das Stadtgemeinschaftshaus ist für viele Vereine das Domizil für die Übungsstunden. So musste bereits die Probe des Chores abgesagt werden und ist offen, ob die Tanzgruppe oder die Yoga-Freunde in dem Haus üben können. Gleiches gilt für die Ausgestaltung von Familienfeiern, für die das Objekt besonders an den Wochenenden gern in Anspruch genommen wird. „Der derzeitige Zustand ist jedenfalls unzumutbar“, so der Bürgermeister. (mz)