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Auf spuren der Geschichte

08:24:21 30.04.2013 gepostet von webmaster@alsleben-saale-online.de um 08:24:21 30.04.2013
Auf spuren der Geschichte

Das Lied einer Glocke: „Ich mahne die Lebenden, beklage die Toten, vertreibe das Schädliche!“

 

Am 28. April 2013 wanderten zahlreiche Heimatfreunde innerhalb der imaginären Stadtmauer von Alsleben auf den Spuren der Geschichte. Die Wanderung begann traditionell um 10.00 Uhr auf dem Markt, vor dem im hanseatischen Stiel erbauten Rathaus.
Nachdem Gerhard Müller, der Vorsitzende des Heimatvereins, die Teilnehmenden begrüßt hatte, machte er einige Anmerkungen über die bewegte Geschichte der über 1000 jährigen Stadt.
In seinen Ausführungen bezog er sich auf die von der Ortschronistin und Ehrenbürgerin der Stadt Alsleben, Frau Haberland, geschrieben Chronik der Stadt.
Vom Markt gingen wir durch die „Badergasse“ zum Ufer der Saale, wo das Wasser des Flusses donnernd das Wehr herabstürzte, so dass man kaum sein eigenes Wort verstehen konnte.
Im Turbinenhaus der Saalemühle erfuhren wir von Herr Gosdzenski Bemerkenswertes über die Turbine, die als modernisiertes, technisches Denkmal aus der Wasserkraft des Wehrs Energie gewinnt und ins Netzt speist.
Aus der Saale, die vor der Wende zur Kloake verkommen war, hat die Natur wieder ein Angelgewässer geschaffen. Herr Lehmann und andere Mitglieder des Angelvereins berichteten an der sogenannten „Fischtreppe“ über die Fischbestände des Flusses. Erwähnt wurde auch eine Aalwanderung am Wehr.
Von der Mühlstrasse gingen wir durch die Gasse „An der Kirche“ in Richtung Stadtkirche St. Cäcilie. In der Nähe der Stadtkirche, unmittelbar neben dem Stadtgemeinschaftshaus (ehemalige Turnhalle) befand sich vor über 250 Jahren die erste Knabenschule der Stadt. Die Inschrift einer Sandsteinplatte, die in eine Häuserwand eingelassen wurde, weist auf das einstige Schulgebäude hin.
Unser nächstes Etappenziel war die Stadtkirche St. Cäcilie. Die Zuhörer erfuhren Aufschlussreiches über die alte Kirche, die nach einem Orgelbrand am 5. April 1974 nur noch selten in ihrer ursprünglichen Bestimmung genutzt wird. Die älteste Glocke der Kirche stammt aus dem Jahr 1482. Ihr beträchtliches Alter bewahrte sie vor der Zwangsabgabe in den beiden Weltkriegen. Auf der Kranzumschrift dieser Glocke steht der weise Spruch:
„Ich mahne die Lebenden, beklage die Toten, vertreibe das Schädliche.“
Nach der kurzen Rast im kühlen Kirchengemäuer stiegen wir den Schulberg hinauf. Auf dem Berg erfuhren wir, dass der dort befindliche, 1932 erbaute und 21 Meter hohen Steiger- Turm der Feuerwehr mit einer Schlauchtrocknungsanlage versehen ist.
Danach wurde unsere Aufmerksamkeit auf die Geschichte des ehemaligen Pestfriedhofs (später Turngarten) gelenkt. Der Friedhof, der 1840 offiziell geschlossen wurde, lag unmittelbar hinter der sich bis zum Mühlentor hinziehenden Stadtmauer. Die Verbreiterung des Weges zum Schulplatz sowie die Errichtung der Lehrerhäuser (später Ambulatorium) lässt oberflächlich von dem ehemaligen Gottesacker nichts mehr erkennen.
Anschließend wendeten wir uns wieder den Lebenden zu. Wir hörten einen Bericht über die Geschichte eines öffentlichen Gebäudes in Alsleben, das wohl jeder der hier geboren und aufgewachsen ist, kennt. In der Grundschule haben viele Bürger eine Zeit ihres Lebens, mit mehr oder weniger großem Interesse, zugebracht.
Dass die allgemeine Schulpflicht in Deutschland erst seit 1771 besteht, war kaum bekannt und dass sie in Bayern, dem Land mit den besseren Pisa- Ergebnissen, erst seit 1802 gilt, wusste niemand. Die Erkenntnis, dass es keinen Zusammenhang zwischen den Jahren des Bestehens der Schulpflicht und dem Lernfleiß gibt, nahmen alle mit auf den Weg. Man lernt eben nie aus!
Nach dem „Schulbesuch“ gingen wir wieder bergab. In der „Scheunenstraße“ erfuhren dort Bedeutsames über das alte Feuerwehr- Depot, um auf dem weiteren Weg zur „Neue Torstraße“ bis zur „Wörthe“ (Warte, abgeleitet von Wachturm) auf frühere Geschäfte, Handwerksbetriebe und eine einst bekannte Konditorei aufmerksam gemacht zu werden. Das ehemalige „Badehaus“ erweckte vor allem die Aufmerksamkeit der Jüngeren. Sie konnten sich gar nicht vorstellen, dass man bis vor etwa 40 Jahren in das Badehaus ging, um einmal wöchentlich ein Wannenbad zu nehmen. Doch wer hatte damals schon ein Bad in seinem Heim?
Weiter führte unser Weg durch die hintere „Grabenstraße“ mit ihrem mediterranen Flair.
Viele interessante Winkel, Gebäude mit bedeutender Geschichte sowie eine schmale Schlippe, die einst ein Fluchtweg war, gab es da zu sehen.
Der überaus abwechslungsreiche und interessante Wandertag endete vor dem Domizil des Heimatvereins, dem Saaltor.
Die einhellige Meinung der Teilnehmenden an der Frühjahrswanderung durch die Stadt Alsleben war, dass so manch altehrwürdiges Gebäude, winklige Straßen und abseits gelegenes Viertel, wie der „Kaffeebeutel“, für angenehme Überraschungen sorgten.
Alsleben, im Saaletal gelegen, ist eine schöne Stadt.

Anne Krüger
Mitglied des Heimatvereins Alsleben e. V.

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