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Das Wappen von Alsleben

Die entstehung des Stadtwappens

Aale im Backofen:

Wie die Alslebener zu einem eigenen Wappen für ihr Saalestädtchen kamen, ist eine gar seltsame Geschichte.

Es scheint fast, als hätte der alte Gott des Saalestroms oder seine Wassergeister nicht unbedeutend nachgeholfen. Eines Tages, sicherlich vor dem Jahr 1548, eilte ein Bäckergeselle in heller Aufregung zu einem hochwohllöblichen Rat der Stadt. Ein gewaltiges Hochwasser war gerade vorüber, der Fluß in sein Bett zurückgekehrt.

Tagelang hatte die Bäckerei still gelegen, unter Wasser gesetzt von den Fluten der Saale. Groß war die Not in den ufernahen Straßen mit dem Hochwasser. Außerdem wurde das Brot knapp. Nun endlich war es vorüber.

Der Meister wollte schnell wieder backen. Doch als er die Tür des Backofens öffnete kamen mit einem kräftigen Wasserschwall drei Aale herausgeschossen. Sie ringelten sich am Boden in der versickernden Wasserlache ganz eigenartig zu Spiralen und Kreisen und schienen der verblüfften Bäckerfamilie etwas andeuten zu wollen. In seiner Ratlosigkeit schickte der Meister den Gesellen los. Die Herren vom Rat ließen sich nicht lange bitten. Erstaunlich, ja unglaublilch klang die Geschichte. Das mußte untersucht werden. Als die Herren vor dem Backofen standen, legte der Meister die Fische auf ein Backblech. Dort verharrten sie nun zusammengeringelt wie Spiralen und hoben die Köpfe und ließen die Äuglein blinzeln und schienen reden zu wollen. Bedrückende Stille.
 

Die Ratsherren sahen die Fische an. Die Fische sahen die Ratsherren an. Auch Aale sind stumm wie andere Fische. Da erscholl die Stimme des Bürgermeisters, der ein kluger Mann war:

"Das ist es! Da ist unser Zeichen! Aale für Alsleben. Alsleben für die Aale. So hört doch:

  • Ein Städtchen still am Saalestrand,
  • ob es nach Aalen ward benannt,
  • die man ,im Böckerofen fand?"

Die anderen sahen auf, schlugen sich vor die Stirn. Natürlich war es das. Hier in der Backstube lag es vor ihnen: das erste eigene Wappen der Stadt.

Kein Adelssymbol, nein, eine Spende der Saale für ihre Stadt. Dank also den Wassergeistern, den Nickermännern und Nixen oder wer auch immer die Aale dahingezaubert. Heinrich von Krosigk aus Schloß Alsleben, Lehens- und Gerichtsherr der Stadt, sah mit gemischten Gefühlen auf das Aalpräsent, das ihm die Ratsherren vorführten. Ein eigenes Wappen wollten sie haben. Lange schon bedrängten sie ihn damit. Wappen sind für den Adel! So fand er bisher stets eine Ausrede. Nun sollten gar die Flußgötter das Zeichen gesandt haben. Aberglauben. Heidnisches Zeug. Doch immerhin. Für die Finanznöte des Edelherren hatte das Stadtsäckel schon manche Schröpfung erfahren.

Der Rat pochte auf Gegenleistung.

Aber ganz auf das Wappen privileg verzichten? So bestimmte der Gerichtsherr mit salomonischem Spruch, daß die Stadt ihr Aalwappen erhalten solle, vorerst aber nur gemeinsam mit dem Wappen, des Hauses Krosigk als Lehensherren der Stadt.

Die Tafel mit beiden Wappen konnte über alles Unheil der Jahrhunderte gerettet werden und ist noch heute im Rathaus von Alsleben zu sehen. Die Sage verschweigt. ob die Ratsherren zum Fest der Wappenverleihung eine Volksspeisung mit Brot und Fisch veranstalteten. Am Tisch der Ratsherren hätte es sicherlich Aal gegeben. An den Tischen des Volkes wohl kaum. Edelfische sind nur für Edelherren. Das legten alte Privilegien fest. Aber das Wappenprivileg hatte die Stadt dem Adel abgerungen und sah fleiß und Bürgerstolz durch ein eigenes Zeichen symbolisiert.

Literatur:

Größler, Hermann : Über die Siegel der Ortschaften des Mansfelder Seekreises. Zeit­schrift des Harzvereins

für Geschichte und Altertumskunde. 13. Jh. 1880. 1. u. 2. Heft.

Nothing Karl: Mein Mansfeld. Heimatbuch für das Mansfelder land. Leimbach-Eisleben

Lexikon Städte und Wappen der Deutschen Demokratischen Republik. VEB Verlag Enzyklopädie. Leipzig 1979.

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Erstellt: 10.09.2015
Geändert: 10.09.2015
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